Liebe Leser
Während wir hier in Deutschland von einem gesättigten Markt sprechen, richten sich die Augen der Küchenmöbelindustrie mehr und mehr ins Ausland. Nobilia möchte in Verl-Kaunitz sogar explizit ein drittes Werk für Exportküchen gründen und glauben Sie mir, die Pläne für eine Investition in China sind wohl noch lange nicht vom Tisch. Geld genug für diese Investitionsfreude scheint jedenfalls vorhanden.
Da sieht die Situation im Küchenhandel ganz anders aus. Im Gespräch mit einem Küchenmöbelhersteller erfuhren wir, dass es durchaus gängige Praxis ist, dem Handel bei ernsthaften Problemen unter die Arme zu greifen. Dies gelte nahezu für alle Küchenmöbelhersteller, schließlich gehe es einerseits darum, Umsätze zu sichern, andererseits aber auch darum, Standorte für den eigenen Absatz zu erhalten. So konfrontierte mich ein Hersteller mit der Frage: „Würden Sie einen Händler oder gar Filialisten hängen lassen, wenn Sie jahrelang gute Geschäfte mit ihm gemacht haben?“ Ich bin ehrlich gesagt nicht sicher. Was geschieht, wenn es sich nicht um einen kurzfristigen Engpass handelt? Dann geht die Industrie nach meiner Kenntnis sogar soweit, Firmenanteil zu übernehmen bzw. Schulden in Anteile umwandeln zu lassen. Diese „Erste Hilfe“ darf nicht öffentlich werden, Vorbehalte und Repressionen bei Direktvertrieb durch die Verbände sind schließlich bekannt. Eine Erfahrung, die auch die la Cour-Küchengruppe schmerzhaft machen musste.
Im Umkehrschluss bedeuten diese Aktivitäten der Industrie natürlich auch, dass letztlich nur die „Großen“ oder „Kapitalstarken“ das Portemonnaie aufmachen können, um ihre Händler zu stützen. Die Hersteller, die selbst um ihre Existenz kämpfen, sind auch bei diesem Spiel außen vor. Und der Handel schaut sicher nicht uneigennützig, wo er bestens „bedient“ wird.
Bedient in einem ganz anderen Sinne ist derzeit Willi Bruckbauer; auf die Frage, ob er einen Rückzieher bei seinem eigenentwickelten neuen Plasmafilter macht, antwortete er unserer Redaktion: „Das ist komplett falsch. Genauso falsch, wie dass Bora verkauft sei. Wir können nichts zurücknehmen, da unser Filter noch nicht ausgeliefert ist, wir noch keinen Serienstart hatten.“ Tja, die Gerüchteküche macht auch vor einem Revolutionär nicht halt.
Im Heft lesen Sie weitere spannende Branchenthemen, die auf der Der Kreis Jahreshauptversammlung in München, auf der Küchenwohntrends in Salzburg und auf der Interzum diskutiert werden können. Wir freuen uns, Sie zu treffen,
Ihre Stefanie Willach
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