Liebe Leser
Das sind aber nur die Aufträge der Küchenhersteller. Bei dieser Zahl fehlen nach meiner Einschätzung zwei wichtige Branchenplayer. Einerseits können wir davon ausgehen, dass Ikea pro Jahr – so flüstern es mir zumindest Vorlieferanten zu – 400.000 Küchen pro Jahr in Deutschland verkauft. Diese Ikea-Küchen werden, so zumindest meine Informationen, nur in geringem Maße von der deutschen Küchenmöbelindustrie produziert. Zu diesen Ikea-Küchen, die bei der Zahl von 1,2 Mio. Küchenkommissionen nicht mitgezählt sind, kommen dann noch mal ca. 100.000 bis 200.000 Schreinerküchen pro Jahr. Somit komme ich dann – freundlich gerechnet – auf eine Zahl von insgesamt rund 1,8 Mio. Küchenkommissionen pro Jahr in Deutschland. Dies bedeutet, dass nur gut 2/3 der verkauften Küchen in Deutschland von der Küchenmöbelindustrie produziert und verkauft werden.
Täuschen lassen sollte man sich derzeit auch nicht von Zahlen, die ein Marktwachstum in den vergangenen 15 Jahren zwischen 3 und 6 Prozent per anno beschreiben. Denn diesen Zahlen zufolge hätte sich der Markt in Deutschland beinahe verdoppelt. Das entspricht keinesfalls der Realität. Wir reden schon seit Jahren von einem nahezu stagnierenden Markt, in dem Unternehmen nahezu ausschließlich durch Verdrängung und ihre Export-aktivitäten wachsen. Ein Beispiel: Rechnet man mit einem Wachstum von 4,5 Prozent über die letzten 15 Jahre hinweg, entspräche dies beinahe einer Marktverdopplung, die haben wir aber nachweislich keinesfalls erlebt.
Ich möchte ja nicht als Miesepeter dastehen, aber die Importe aus unseren Nachbarländern könnten auch bei so einem hochkomplexen Gut wie der Küche zunehmen. Dies betrifft zunächst nicht unbedingt den Bereich der maßgeplanten Küche, aber im Discount- und Mitnahmebereich finden sich durchaus Exemplare, die der deutschen Industrie das Leben schwer machen können. Zum Beispiel produziert Forte in Polen auch Küchen und zwar auf den gleichen Anlagen und von denselben Herstellern (Homag, IMA, etc.). Diese Maschinenbauunternehmen verkaufen gerne die neueste Technologie auch in andere Länder. Und von Polen nach Berlin mit dem LKW ist es auch nicht weiter als von OWL nach Berlin oder von OWL nach Schweden oder von OWL nach Österreich. Selbst von Polen nach Paris ist es gerade mal nur die doppelte Entfernung wie von OWL. Und je weiter die Märkte entfernt sind, umso mehr relativieren sich die Entfernungen und Transportkosten. Auch die bekannten Vorlieferanten sind international in allen Ländern, die Küchen produzieren, dabei. Garantien für ein deutsches Küchenwunderland gibt es also keine, aber gute Chancen für eine stabile Küchenkonjunktur im Jahr 2016, meint
Ihre Stefanie Willach
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