Liebe Leser:innen,
Besonders der Abschied von Kriwet kam überraschend. In der ersten, nur wenige Zeilen langen Mitteilung des Unternehmens fehlte ein noch so kleines Dankeswort des Unternehmens. Sehr ungewöhnlich für den Konzern BSH und die Konzernmutter Bosch. Kurze Zeit wurden dann noch zwei Zitate hinterhergeschoben: „Wir bedauern ihre Entscheidung und wünschen ihr für die Zukunft alles Gute“, sagt Christian Fischer, Vizechef des Bosch-Konzerns und Aufsichtsratsvorsitzender der BSH. Carla Kriwet habe BSH überaus erfolgreich durch die schwierige Phase der Pandemie und die vielfältigen damit verbundenen Herausforderungen geführt und darüber hinaus viele neue Impulse gegeben.
Ausdrückliches Lob für den Geschäftserfolg musste Kriwet sich dann aber selbst erteilen. „Ich verlasse die BSH nach sehr erfolgreichen und freudebringenden Jahren aus persönlichen Gründen, um künftig eine neue Herausforderung außerhalb des Unternehmens anzunehmen“, lässt sich Kriwet zitieren. Wohin sie wechselt, lässt die 51-Jährige offen. Sie gehe in der Gewissheit, dass die BSH nach zwei Rekordjahren hervorragend für die Zukunft gerüstet sei. Ein Abschied ohne Trauer.
Damit ist immer noch nicht der überraschende Abschied geklärt. Aus München war schon seit geraumer Zeit zu hören, dass Kriwet mit den Menschen im Konzern fremdelt, auch viele hochkarätige Manager keinen Zugang zu ihr gefunden haben. Wobei natürlich, bedingt durch die Corona-Krise bei vielen Unternehmen, die den Großteil ihres Personals ins Home-Office schicken mussten, zur Entfremdung geführt hat.
Schon auf der Bilanzpressekonferenz merkte man, dass es der Unternehmenschefin trotz Rekordumsatz nicht nach Feiern zu Mute war. Sie sorgte sich um die Sicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Ukraine, aber auch in Russland, wo sie die Arbeit in zwei Werken in Sankt Petersburg aussetzen musste. Sie dankte der Belegschaft ausdrücklich für Spenden und Engagement für die Ukraine. Kriwet, die auch im Aufsichtsrat von „Save the children“ ist, wirkte angefasst.
Zu den Auswirkungen der Pandemie und des Russlandkrieges gehören natürlich auch die unverändert fragilen und ständig brechenden Lieferketten und die damit verbunden Lieferschwierigkeiten der Hausgeräteindustrie. Alles Entwicklungen, die die Arbeit im Bosch-Konzern nicht leichter machten. Im Umfeld von Kriwet heißt es jedenfalls, dass sie die Konsumgüterbranche verlasse, ihr nächste Karriereschritt in Kürze bekannt gegeben werde. Der neue Job dürfte dann auch einen Anhalt geben, warum sie tatsächlich die BSH verlassen hat. Die Suche nach dem neuen CEO und Sprecher des Vorstandes hat jedenfalls begonnen, ob wieder eine Frau auf dem Chefsessel platznehmen wird, bleibt indes abzuwarten,
denkt Ihre Stefanie Willach
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