Ältere Frau mit kurzer dunkler Frisur lächelt in die Kamera und steht in Freizeitkleidung vor einer Ziegelwand.

Liebe Leser:innen,

Bei Küchen Quelle liegt die Sache etwas anders, hier scheint ein handfester Gesellschafterstreit die Ursache zu sein, der darin endete, dass die EMH Partners ihr Engagement bei Küchen Quelle GmbH, der Schwestergesellschaft Island Labs und der Muttergesellschaft Home Furniture Group beendeten. Wie bei Handelspleiten üblich, stehen hier natürlich Kundenkommissionen in der Brenne, der Insolvenzverwalter plant die Fortführung.

Die dritte Pleite in dieser Ausgabe betrifft die Warendorfer Küchenfabrik. Hier ist die Insolvenz mehr als überraschend gekommen, der chinesische Investor hat aufgrund der Immobilien- und Coronakrise kein Geld mehr für sein deutsches Engagement übrig.

Alle drei Pleiten haben sich unabhängig von der derzeitigen wirtschaftlichen Situation entwickelt und spiegeln keinesfalls die Situation in der Küchenbranche. Rational und Warendorfer sind seit langer, langer Zeit Sorgenkinder der Branche. Warendorf ist nach dem Verkauf der Miele Küche an die schweizerische Arbonia Forster Holding von einer Krise in die nächste getaumelt. Bei rational Einbauküchen gab es spätestens seit dem Verkauf an den italienischen Hersteller Snaidero immer wieder schwerste Turbulenzen. Als Snaidero den Hersteller ohne eigene Produktion an Bravat verkaufte, war dies der Sargnagel für die einstige Traditionsmarke. Gerade den beiden Küchenherstellern war ein ständiger Geschäftsführerwechsel gemein.

Bei Küchen Quelle fehlte nach dem Weggang von Dr. Bernd Warnick als Geschäftsführer ganz einfach das Küchen-Know-how. Ein tradiertes Handelskonzept ohne jegliche Küchenkompetenz zum erfolgreichen Start-up, ohne zu modellieren, das konnte nicht gelingen. Und auch bei Küchen Quelle gaben sich die wechselnden Geschäftsführer letztlich die Klinke in die Hand.

Die Küchenbranche befindet sich keinesfalls in der Krise, aber ich gehe fest davon aus, dass wir in den nächsten Monaten noch weitere Pleiten vor allem auf Herstellerseite erleben werden. So traurig das ist, die Konzentration auf wenige, potente Hersteller wird sich fortsetzen. Wobei mit Potenz durchaus auch Kreativität und Vermarktungsgeschick gemeint ist. Der Markt wird sich nicht nur auf die Dickschiffe fokussieren, sondern auf die kleinen Schnellboote wie u. a. Ballerina, Beckermann, Eggersmann, KH System Möbel, Rempp und Sachsenküchen, davon bin ich fest überzeugt.

Überzeugt bin ich auch davon, dass „die Rezession ihren Schrecken verliert“. Hier schließe ich mich gerne dem Chefvolkswirt der Deka-Bank Ulrich Kater an, von dem dieses Zitat stammt. Die Nachfrage im Küchenhandel hat sich nach dem Sommerloch wieder normalisiert, die Konsumentenstimmung leicht verbessert und auch die Inflationsrate ist nicht weiter durch die Decke gegangen. Ich hoffe jedenfalls, dass wir alle 2022 mit einem blauen Auge davonkommen und jetzt entspannter als erwartet die Vorweihnachtszeit genießen können.

Lassen Sie sich es gut gehen,

Ihre Stefanie Willach

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