Ältere Frau mit kurzer dunkler Frisur lächelt in sportlicher Jacke und bedrucktem T‑Shirt vor einer roten Backsteinwand in die Kamera

Liebe Leser:innen,

Doch aktuell ist die Lage längst nicht von Harmonie und Konfliktlösung bestimmt. Die Wirtschaft in China ist quasi zusammengebrochen. Null-Covid-Politik und die Folgen der überraschenden Lockerungen im Dezember, Immobilienkrise, Alterung der Gesellschaft und hohe Verschuldung lasten auf der Wirtschaft. Dazu der seit geraumer Zeit schwelende Konflikt zwischen China und den USA. Warum ich Ihnen diese Themen nahebringen möchte?

Weil sie unsere Branche direkt betreffen. Der chinesische Investor Jeffrey Wang musste in der Immobilienkrise so viele Federn lassen, dass er Warendorf nicht weiter finanziell unterstützen konnte.  Vom vorläufigen Insolvenzverwalter Stefan Meyerle ist nur so viel zu hören, dass man aktuell in „intensiven Verhandlungen stehe“ und an die Öffentlichkeit gehe, wenn es etwas zu melden gebe.

Gerade noch rechtzeitig vor Redaktionsschluss der Ausgabe 1/2023 von küchennews kam die Meldung, das Whirlpool sein EMEA-Geschäft bis auf 25 Prozent an der türkischen KOC-Konzern bzw. dessen Tochter Arçelik verkauft habe. Mit im Bieterrennen, das wissen wir in der Redaktion aus wirklich sicheren Quellen, war auch der nach eigenen Angaben weltweit größte Hausgerätekonzern Haier, in dessen Portfolio die Aktivitäten von Whirlpool mit den Marken Bauknecht und Privileg durchaus gepasst hätten. Die Frage, warum Haier nicht den Zuschlag bekommen hat, liegt nach meinem Erachten durchaus in dem Wirtschaftskrieg zwischen China und USA begründet. Ich glaube, der deutsche Whirlpool-CEO Marc Bitzer wäre an der US-amerikanischen Börse gesteinigt worden, wenn er nach China verkauft hätte.

Für die deutsche Küchenindustrie hat der chinesische Markt durch all die dortigen Probleme an Bedeutung verloren, um nicht zu sagen, die Bemühungen der Industrie sind in China aktuell zum Erliegen gekommen. Auch die AMK mit ihrer Tochtergesellschaft in China und die MHK Group halten derzeit die Füße still, was den chinesischen Markt angeht. Vor dem Hintergrund ist auch zu verstehen, dass aktuell die nordamerikanische Küchen- und Badmesse KBIS, die in der ersten Februarwoche in Las Vegas stattfand, derart gehypt wird. Mit einem Gemeinschaftstand strecken AMK und VDM zusammen mit einer Reihe von Herstellern die Fühler nach USA aus. Auch eine politische Entscheidung.

Fest steht jedenfalls, dass sich die deutsche Küchenindustrie in Zeiten, in denen der Inlandsmarkt schwächelt, verstärkt auf das Ausland konzentrieren muss. Dabei sollte man nicht aus den Augen verlieren, dass die wichtigsten Exportmärkte Frankreich, Niederlande, Österreich, Belgien, Schweiz und Vereinigtes Königsreich heißen. China hatte im 1. Halbjahr 2022 einen Exportanteil von 2,7 Prozent, die USA von nur 1,6 Prozent. Da ist noch reichlich Luft nach oben, denkt Ihre Stefanie Willach

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