Liebe Leser:innen,
Die diesjährige Messe hat gezeigt: Der Markt bleibt in Bewegung. Während die großen Fünf ihre Dominanz weiter ausbauen, nutzen kleinere und mittlere Hersteller gezielt Nischen, Designideen und Servicequalität, um Profil zu gewinnen. Die Trends sind dabei deutlich: weniger Kontrast, mehr Harmonie. Helle, warme Töne, natürliche Materialien, runde Formen – die Küche als Rückzugsort, als Ruhepol im Sturm der Welt. Der Japandi-Stil ist längst mehr als ein Trend; er ist Ausdruck einer Haltung.
Und auch der Handel reagiert. Wer in den Ausstellungsräumen heute noch allein auf Produktvielfalt setzt, verpasst das Momentum. Lebensraumkonzepte, ganzheitliche Planung und cross-sektorale Einrichtungslösungen sorgen für Umsatz und sichern Differenzierung. Viele Fachhändler vergrößern sich, investieren in neue Flächen, denken zusammen mit ihren Einkaufsverbänden in Store-Konzepten und Erlebniswelten. Diese neue Lust auf Expansion ist spürbar – sie steht für ein Selbstverständnis, das sich von reiner Distribution zu aktiver Markenführung entwickelt. Dies wurde übrigens auch bei Häcker Küchen deutlich sichtbar.
Doch der Wandel betrifft nicht nur Produkte und Handelskonzepte, sondern auch die Strukturen dahinter. Immer häufiger wird die klassische Markenlogik im Vertrieb aufgebrochen – zugunsten einer kanalorientierten Steuerung. Bei der BSH etwa werden Siemens, Bosch und Neff nicht mehr von Markenvertretern, sondern von Unternehmensvertretern betreut. Was nüchtern klingt, ist in Wahrheit ein tiefer Einschnitt für viele im Markt, die ihre Ansprechpartner, ihre gewachsenen Beziehungen und ein Stück Identität verlieren. Diese Unsicherheit war in Ostwestfalen deutlich spürbar. Ähnliche Prozesse laufen derzeit auch bei Beko und Bauknecht – und wer wissen möchte, wie sich das anfühlt, sollte einmal bei Gorenje nachfragen. Nach fünf Jahren unter dem Dach von Hisense hat man dort schmerzhaft gelernt, was es bedeutet, wenn Markencharakter durch Konzernlogik ersetzt wird.
Ein Stück Küchen-Geschichte verblasst: Küppersbusch, einst eine Ikone deutscher Ingenieurskunst, steht heute sinnbildlich für den Wandel der Industrie. Vom stolzen Traditionsunternehmen aus Gelsenkirchen mit eigener Produktion und internationalem Rang zur Marke im Portfolio eines chinesischen Konzerns – das ist mehr als ein Eigentümerwechsel. Es ist der stille Abschied von einer Epoche, in der „Made in Germany“ nicht nur Herkunft, sondern Haltung war. Küppersbusch bleibt ein Name, aber ohne Seele aus Stahl, ohne Herz aus Ruhrgebiet.
Vielleicht ist dieser Kontrast – zwischen Aufbruch und Abschied, zwischen Zukunftsglaube und Traditionsverlust – genau das, was diese Messe so besonders machte. Die Branche hat verstanden, dass Wandel kein Feind ist, sondern Antrieb. Wer sich auf das Neue einlässt, wer Emotion und Effizienz verbindet, wird auch in den kommenden Jahren bestehen.
Denn am Ende geht es immer um Menschen: um jene, die Küchen planen, fertigen, verkaufen – und um jene, die in ihnen leben.
Stefanie Willach
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